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Von der Wassergewöhnung zum Rückenschwimmen

Alexander Taschner (alex) on 05.10.2026

+++ geschrieben von Inga Teckentrup +++

Mitte September fand in Beckum der Lehrgang „Von der Wassergewöhnung zum Rückenschwimmen“ statt. Mehr als 20 Teilnehmende aus Ostwestfalen-Lippe und darüber hinaus kamen zusammen, um sich intensiv mit den Grundlagen der Schwimmausbildung auseinanderzusetzen, Erfahrungen auszutauschen und viele praktische Ideen für die eigene Arbeit mitzunehmen.

Entstanden war der Lehrgang auf Anfrage des SC Undine Beckum, da es dort gleich mehrere Interessierte für dieses Thema gab. Geleitet wurde der Lehrgang von Inga Teckentrup, Fachwartin Schwimmwelten im SV OWL.

Unterschiedliche Erfahrungen als Stärke

Gestartet wurde im DLRG-Haus in Beckum mit dem theoretischen Teil. Schon die Zusammensetzung der Gruppe bot beste Voraussetzungen für einen spannenden Austausch: Erfahrene Trainerinnen und Lehrerinnen trafen auf Jugendliche und Teilnehmende, die bislang noch weniger Erfahrung in der Schwimmausbildung gesammelt hatten. Zu Beginn stand deshalb ganz bewusst die Praxis aus den Vereinen im Mittelpunkt: Wo liegen Schwierigkeiten bei der Wassergewöhnung und Wasserbewältigung? Was funktioniert bereits gut? Und wo stoßen Trainer*innen und Übungsleitende immer wieder an Grenzen? Dabei ging es ausdrücklich nicht nur um Probleme. Die Teilnehmenden berichteten ebenso davon, was in ihren Vereinen bereits erfolgreich umgesetzt wird. Gerade durch die unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven entwickelte sich schnell ein intensiver und offener Austausch.

Duschen, Atmen, Gleiten, Schweben, Tauchen und Springen

Anschließend beschäftigten sich die Teilnehmenden in gut durchmischten Gruppen mit den wesentlichen Grundlagen der Wassergewöhnung und Wasserbewältigung. Im Mittelpunkt standen Duschen, Atmen, Gleiten, Schweben, Tauchen und Springen. Zu den einzelnen Bereichen wurden Übungen gesammelt, eigene Erfahrungen eingebracht und methodische Möglichkeiten erarbeitet. Doch damit war die Gruppenarbeit noch nicht beendet. Es folgte ein bewusster Perspektivwechsel: Wie wirken unsere Übungen und Hilfestellungen eigentlich auf die Kinder – und wie können sie von außen wahrgenommen werden? Wo entsteht körperliche Nähe? Welche Hilfestellung ist wirklich notwendig? Welche Berührung sollte vorher angekündigt und erklärt werden? Und welche eigentlich gut gemeinte Situation könnte beispielsweise für Eltern am Beckenrand irritierend oder übergriffig wirken? Hier brachte Inga Teckentrup zusätzlich ihre Expertise als Fachkraft für Schutz vor Gewalt ein. Gemeinsam wurde betrachtet, wie Hilfestellungen sensibel und transparent gestaltet und Nähe und Distanz im Schwimmunterricht bewusst berücksichtigt werden können. Damit wurde deutlich: Ein guter Schwimmunterricht vermittelt nicht nur technische Fähigkeiten, sondern braucht ebenso einen achtsamen und grenzachtenden Umgang mit den Kindern.

  

Von der Theorie ins Wasser

Nach der gemeinsamen Arbeit im DLRG-Haus ging es für den praktischen Teil ins Beckumer Hallenbad. Nun wurden die zuvor erarbeiteten Übungen selbst ausprobiert und aus der Perspektive der Lernenden erlebt. Dabei zeigte sich schnell, dass viele Übungen ganz selbstverständlich sowohl in Bauch- als auch in Rückenlage durchgeführt werden können. Die Rückenlage beginnt also nicht erst mit dem Erlernen des Rückenschwimmens, sondern kann und sollte bereits fester Bestandteil der Wassergewöhnung und Wasserbewältigung sein. Genau hier wurde der Titel des Lehrgangs praktisch erlebbar: Der Weg von einer guten Wasserbewältigung zur Grobform des Rückenschwimmens ist erstaunlich kurz. Schweben und Gleiten in Rückenlage sollten zu diesem Zeitpunkt bereits gefestigt sein. Die Kinder haben gelernt, dem Wasser zu vertrauen, ihren Körper tragen zu lassen und sich in Rückenlage sicher zu fühlen. Im Gegensatz zum koordinativ anspruchsvollen Brustschwimmen lässt sich die Grobform des Rückenschwimmens darauf vergleichsweise einfach aufbauen: Zur sicheren Rückenlage kommt zunächst die Beinbewegung hinzu – vereinfacht gesagt wird „gestrampelt“. Anschließend werden die Arme wie eine rückwärts laufende Windmühle eingesetzt. Was zunächst wie das Erlernen einer völlig neuen Schwimmtechnik erscheint, baut damit unmittelbar auf Fähigkeiten auf, die während einer konsequenten Wassergewöhnung und Wasserbewältigung bereits erworben wurden.

Die Rückenlage stärker in den Mittelpunkt rücken

Umso kritischer wurde betrachtet, dass das Rückenschwimmen im schulischen Schwimmunterricht teilweise noch immer eher stiefmütterlich behandelt wird. Dadurch kann es vorkommen, dass Kinder, die sich in Rückenlage bereits sicher im Wasser bewegen und erste Strecken zurücklegen können, dennoch weiterhin den Nichtschwimmer*innen zugeordnet werden. Hier braucht es ein Umdenken. Denn die sichere Rückenlage ist weit mehr als nur die Grundlage für eine weitere Schwimmtechnik. Sie erweitert die Handlungsmöglichkeiten eines Kindes im Wasser. Wer gelernt hat, sich sicher auf den Rücken zu legen, dem Wasser zu vertrauen und ruhig weiterzuatmen, verfügt auch in einer anstrengenden Situation über eine wichtige Möglichkeit, sich zunächst zu stabilisieren, die Belastung zu reduzieren und die eigenen Kräfte einzuteilen. Deshalb sollte die Rückenlage von Beginn an selbstverständlich zur Wassergewöhnung und Wasserbewältigung gehören – und nicht erst dann auftauchen, wenn irgendwann die Schwimmtechnik Rückenschwimmen auf dem Trainingsplan steht.

Viel Austausch und eine klare Botschaft

Der Lehrgang zeigte außerdem, wie wertvoll eine gut durchmischte Gruppe sein kann. Jugendliche und weniger erfahrene Teilnehmende brachten andere Fragen und Sichtweisen mit als langjährig tätige Trainerinnen und Lehrerinnen. Erfahrungen aus unterschiedlichen Vereinen und Arbeitsbereichen konnten miteinander verbunden, Übungen gemeinsam ausprobiert und Vorgehensweisen hinterfragt werden. So nahmen die Teilnehmenden nicht nur zahlreiche Übungen und methodische Ideen für Training und Unterricht mit nach Hause. Der Lehrgang gab auch Anregungen, die eigene Schwimmausbildung aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten: Methodisch sinnvoll, kindgerecht und grenzachtend. Und eine Erkenntnis zog sich dabei durch den gesamten Lehrgang: Gute Wassergewöhnung und Wasserbewältigung sind keine Zeit, die auf dem Weg zum Schwimmen verloren geht – sie sind das Fundament, auf dem sicheres Schwimmen überhaupt erst entstehen kann.

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