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OWL schwimmt bei der Masters-EM durch den Donau-Seitenarm – und mitten hinein ins Medaillengetümmel

Alexander Taschner (alex) on 30.08.2026

++ geschrieben von Bettina Beinke ++

Kalt, schnell, spannend und ziemlich international: Für vier Masters-Schwimmerinnen und -Schwimmer aus Ostwestfalen-Lippe ging es am vergangenen Wochenende zur großen europäischen Freiwasser-Bühne nach Šamorín in der Slowakei. Beim Finale der erstmals ausgetragenen European Aquatics Masters Open Water Swimming Tour 2026 wurde im Donau-Seitenarm direkt am X-BIONIC® SPHERE geschwommen – und OWL mischte ordentlich mit.

Die neue Masters Open Water Tour führte die Schwimmerinnen und Schwimmer in diesem Jahr über drei Stationen: Im April ging es zum Auftakt nach Protaras auf Zypern, im Juli folgte Sukoró in Ungarn, bevor am 28. August in Šamorín das Finale im Rahmen der European Aquatics Masters Championships ausgetragen wurde.

Für die Freiwasserwettbewerbe standen in Šamorín mit 1,5 und 3 Kilometern gleich zwei Distanzen auf dem Programm. Insgesamt gingen 532 Aktive – 249 Frauen und 283 Männer – an den Start. Und während nebenan die Wasserballer für Stimmung sorgten, mussten sich die Freiwasserschwimmer mit einer ganz anderen Herausforderung auseinandersetzen: dem ziemlich frischen Donauwasser.

Aus Ostwestfalen-Lippe waren Katharina Schoppmann und Florian Werner von der TG Ennigloh sowie Claudius Ditz und Carla Beckmann von den Wasserfreunden Bielefeld dabei.

Die Aktiven des SV OWL: Florian Werner, Katharina Schoppmann, Carla Beckmann und Claudius Ditz (v.l.n.r.).

Für Katharina Schoppmann (AK 40, TG Ennigloh) lief es auf beiden Strecken richtig rund. Über 1,5 Kilometer kam sie in 25:00,59 Minuten auf Platz 14, über die 3 Kilometer wurde sie in 51:45,91 Minuten Elfte. Noch wichtiger als die Platzierungen: Beide Zeiten bedeuteten persönliche Bestzeiten. Und besonders über die lange Strecke durfte Katharina zufrieden sein. Ihr selbst gesetztes Ziel, die 3 Kilometer in weniger als 55 Minuten zu schwimmen, unterbot sie gleich ziemlich deutlich. Mission erfüllt – und zwar mit Luft nach oben.

Auch Florian Werner (AK 40, TG Ennigloh) konnte zweimal eine neue persönliche Bestzeit feiern. Über 1,5 Kilometer benötigte er 20:12,66 Minuten und wurde Elfter, die 3 Kilometer absolvierte er in 43:09,00 Minuten auf Rang zwölf. Sein Fazit bringt die Atmosphäre vor Ort ziemlich gut auf den Punkt: „Die Anlage ist geil. Und die Wasserballer machen gut Party. Macht Spaß, hier rumzuhängen.“ Sportlich war er ebenfalls hochzufrieden: Beide Zeiten seien neue Bestzeiten. Und wie kalt war es nun wirklich? Florian hatte für die 3 Kilometer am Samstag eine klare Antwort parat: knapp 18,6 Grad Wassertemperatur. Für manche erfrischend; für Freiwasserschwimmer offenbar noch diskutabel; für andere definitiv kalt.

Claudius Ditz (AK 30, Wasserfreunde Bielefeld) zeigte, dass man nicht zwingend eine monatelange Spezialvorbereitung braucht, um bei einer Masters-EM vorne mitzumischen. Er ging den Wettkampf praktisch aus dem Training heraus an und hatte die Rennen zugleich als Vorbereitung auf die kommende Kurzbahnsaison eingeplant. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Platz fünf über 1,5 Kilometer in 18:46,22 Minuten und Platz sieben über 3 Kilometer in 38:50,43 Minuten. Mit Zeiten und Platzierungen war Claudius entsprechend zufrieden. Weniger begeistert zeigte er sich von der Temperatur: Das Wasser empfanden er und auch andere Teilnehmer als wirklich kalt. Überhaupt war das Freiwasser in Šamorín diesmal nichts für Warmduscher. An beiden Wettkampftagen bewegte sich die Wassertemperatur laut Claudius im Grenzbereich. Ein Neoprenanzug war allerdings nicht erlaubt. Am Freitag wurden die Starts wegen der niedrigen Wassertemperatur sogar nach hinten verschoben, damit die vorgeschriebene Wassertemperatur von mehr als 17,9 Grad erreicht wurde. Und auch auf der Strecke selbst wurde es teilweise turbulent: Es gab mehrere Disqualifikationen wegen des Schwimmens auf der falschen Seite einer Boje. Im Freiwasser gilt eben: Nicht nur schnell sein, sondern auch wissen, wo man eigentlich hin muss.

Für das sportliche Highlight aus OWL-Sicht sorgte Carla Beckmann (AK 40, Wasserfreunde Bielefeld). Über 1,5 Kilometer wurde sie in 18:37,08 Minuten Dritte, über 3 Kilometer setzte sie sich in 38:10,57 Minuten an die Spitze und holte damit Gold. Carla war dabei die einzige der vier OWL-Starterinnen und -Starter, die zuvor bereits bei den Beckenwettbewerben der Masters-EM unterwegs gewesen war – und das äußerst erfolgreich: vier Silbermedaillen hatte sie dort bereits gesammelt. Das Freiwasser sollte also noch einmal eine ganz besondere Zugabe werden.Und was Carla über ihr Rennen über 3 Kilometer berichtet, klingt tatsächlich eher nach Drehbuch als nach Schwimmwettkampf: „Beide meiner Freiwasserrennen waren richtig eng und spannend.“. Vor allem das Rennen über 3 Kilometer hatte es in sich. Eineinhalb Runden lang lag die Italienerin vorne, die bereits über 1,5 Kilometer Zweite geworden war. Carla schloss nach und nach zu ihr auf. Gleichzeitig hatte sie die Ungarin, Siegerin über 1,5 Kilometer, ständig im Nacken – beziehungsweise genauer gesagt: In den Füßen. Carla wusste während des Rennens allerdings nicht, dass die Italienerin bereits eine Verwarnung und anschließend sogar die rote Flagge gesehen hatte. Hintergrund: Sie war zunächst zu weit in der Mitte des Kanals geschwommen und hatte dadurch den Gegenverkehr behindert. Später nahm sie eine Boje auf der langen Geraden auf der falschen Seite. Die Rennleitung hatte also bereits ordentlich Gesprächsstoff. Carla bekam davon im Wasser wenig mit. Sie bemerkte lediglich, dass ein Boot einmal gezielt zur führenden Italienerin fuhr. Diese schwamm jedoch weiter. Carla selbst ließ sich davon nicht beirren und setzte ihren Angriff fort. Am Ende kam sie an der Italienerin vorbei und schlug als Erste an. Später erfuhr Carla von ihrer Schwester, was sich hinter ihr abgespielt hatte: Die Italienerin war bereits disqualifiziert worden. Selbst wenn Carla sie also nicht mehr eingeholt und überholt hätte, wäre der Sieg am Ende ihrer gewesen. Trotzdem freut sie sich ganz besonders darüber, aus eigener Kraft die Schnellste gewesen zu sein. 

Carla Beckmann auf dem Podest: Gold über die 3 Kilometer.

Kühle Temperaturen, Bojen, Gegenverkehr, taktische Zweikämpfe, persönliche Bestzeiten, Medaillen und jede Menge internationale Konkurrenz: Das Freiwasserfinale in Šamorín hatte für die OWL-Teilnehmer einiges zu bieten. Und auch abseits des eigentlichen Rennens zeigte sich, warum Masters-Schwimmen mehr ist als nur Zeiten und Platzierungen. Auf dem Gelände des X-BIONIC® SPHERE lagen Schwimm-, Wasserball- und Freiwasserwettbewerbe dicht beieinander. Die Anlage bietet neben dem 50-Meter-Außenbecken und einem 25-Meter-Innenbecken auch den direkt angrenzenden Donau-Seitenarm für die Freiwasserwettbewerbe. Oder, um es mit Florian Werner zu sagen: „Macht Spaß, hier rumzuhängen.“ Dass dabei auch noch einige Medaillen und Bestzeiten für OWL heraussprangen, macht die Sache natürlich umso schöner.

OWL kann also nicht nur Becken – sondern offenbar auch Donau-Seitenarm. Und das sogar ziemlich schnell.

 

 

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